Das Wichtigste in Kürze
Was Merinowolle ist und woher sie kommt
Merinowolle ist die Schurwolle des Merinoschafs. Die Rasse hat ihren Ursprung in Spanien und gilt seit Jahrhunderten als Maßstab für besonders feine Wolle. Heute werden Merinoschafe in größerem Umfang vor allem in Australien, Neuseeland, Argentinien und Südafrika gehalten. Australien ist mit Abstand der größte Produzent und liefert den Großteil der hochwertigen Merinowolle, die in der europäischen Strick- und Outdoor-Mode verarbeitet wird.
Der entscheidende Unterschied zu klassischer Schurwolle liegt im Faserdurchmesser. Während herkömmliche Wolle aus Crossbred-Rassen typischerweise zwischen 25 und 35 Mikrometern misst, bewegt sich Merinowolle zwischen rund 16 und 24 Mikrometern. Innerhalb dieses Bereichs unterscheidet die Wollindustrie mehrere Qualitätsklassen: Ultrafine Merino (etwa 15 bis 15,5 Mikrometer), Superfine (15,6 bis 18,5), Fine (18,6 bis 19,5) und Medium (19,6 bis 22,9). Je feiner die Faser, desto weicher liegt das Garn auf der Haut und desto teurer ist in der Regel das fertige Stück.
Ja, Merinowolle ist Schurwolle. Beide Begriffe schließen sich nicht aus: Schurwolle ist Wolle, die vom lebenden Tier geschoren wird. Merinowolle ist die feinste Form davon. Wer also auf einem Etikett „100 Prozent Schurwolle“ liest, hat keine Information über die Faserfeinheit. Erst der Zusatz Merino sagt aus, dass es sich um die besonders feine, hautfreundliche Variante handelt.

Merino-Pullover ''Jack'' in dill
Die Eigenschaften von Merinowolle im Detail
Fünf Eigenschaften machen Merinowolle für die Bekleidung besonders interessant. Sie greifen ineinander und ergeben in der Summe ein Material, das in seiner Kombination kaum zu kopieren ist.
Weichheit. Die feinen Fasern verbiegen sich beim Hautkontakt, statt zu stechen. Das ist der Grund, warum Merinowolle in der Regel nicht kratzt, selbst wenn sie direkt auf der Haut getragen wird. Klassische Schurwolle reizt empfindliche Haut häufig, weil die dickeren Fasern weniger flexibel sind.
Temperaturregulierung. Merinofasern sind gekräuselt und bilden viele kleine Lufteinschlüsse. Diese Luftpolster wärmen im Winter und sorgen gleichzeitig dafür, dass Hitze und Feuchtigkeit im Sommer nicht stauen. Das ist auch der Grund, warum Merinowolle zur Standardfaser in Outdoor- und Sportbekleidung geworden ist.
Feuchtigkeitsmanagement. Merinowolle kann bis zu 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Schweiß wird von der Haut weg transportiert, was den Körper bei körperlicher Belastung trocken hält und gleichzeitig Auskühlen durch klatschnasse Kleidung verhindert.
Geruchshemmung. Die natürliche Lanolinschicht der Wolle und die Faserstruktur reduzieren die Vermehrung geruchsbildender Bakterien. Merinokleidung kann mehrere Tage getragen werden, ohne unangenehm zu riechen. Häufiges Auslüften reicht oft aus, eine Wäsche ist erst notwendig, wenn sichtbare Verschmutzungen auftreten.
Formbeständigkeit und Elastizität. Eine Merinofaser lässt sich um etwa 30 Prozent dehnen und kehrt anschließend in ihre Ausgangsform zurück. Gut gestrickte Merinopullover behalten Form und Passform über viele Saisons, wenn sie korrekt gewaschen und liegend getrocknet werden.
Merino im Vergleich: Kaschmir, Schurwolle und Co.
Merinowolle wird in der Strickmode häufig mit Kaschmir und klassischer Schurwolle in einen Topf geworfen, ist aber von beiden klar zu unterscheiden. Schurwolle ist dabei der Oberbegriff für Wolle vom lebenden Schaf, Merinowolle die besonders feine Unterform, und Kaschmir stammt nicht vom Schaf, sondern von der Kaschmirziege. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
Kaschmir ist noch feiner und wärmer als Merino, aber empfindlicher in der Pflege und teurer. Wellington of Bilmore arbeitet mit Kaschmir vor allem im Mantelbereich, etwa bei Woll-Kaschmir-Mänteln für Damen und Woll-Kaschmir-Mänteln für Herren. Klassische Schurwolle bleibt die robusteste Variante und kommt bei dichter gewebten Stoffen wie Tweed oder klassischen Wollpullovern für Herren zum Einsatz.
Merinowolle richtig waschen und pflegen
Die richtige Pflege ist der wichtigste Faktor für eine lange Lebensdauer von Merinokleidung. Drei Punkte stehen im Mittelpunkt: das richtige Waschprogramm, das passende Waschmittel und das richtige Trocknen.
Vor dem Waschen prüfen. Lesen Sie das Pflegeetikett. Die meisten Merino-Strickteile vertragen den Wollwaschgang der Maschine bei höchstens 30 Grad und niedriger Schleuderdrehzahl (400 bis 600 Umdrehungen pro Minute). Empfindlichere Stücke und feine Mischungen mit Kaschmir sollten Sie von Hand waschen.
Waschmittel auswählen. Verwenden Sie ausschließlich ein mildes Wollwaschmittel oder ein Spezialwaschmittel für feine Fasern. Vollwaschmittel enthalten häufig Enzyme, die Wolle angreifen, und Bleichmittel, die die Faser schädigen. Auf Weichspüler verzichten Sie konsequent: Er legt sich auf die Faser, mindert die natürliche Funktion und nimmt der Wolle ihre Bauschigkeit.
Maschinenwäsche. Drehen Sie das Strickteil auf links und geben Sie es in einen Wäschesack. Im Wollwaschgang Ihrer Maschine bei 20 oder 30 Grad waschen, mit niedriger Schleuderdrehzahl. Bei stark verschmutzten Stücken können Sie eine zweite Spülung dazuschalten, um Waschmittelreste vollständig zu entfernen.
Handwäsche als Alternative. Lösen Sie etwa einen Esslöffel Wollwaschmittel in lauwarmem Wasser (höchstens 30 Grad) auf. Tauchen Sie das Strickteil unter und bewegen Sie es behutsam, ohne zu reiben oder zu wringen. Nach etwa zehn Minuten Einweichen mehrfach mit klarem, lauwarmem Wasser spülen, bis das Wasser klar bleibt.
Trocknen. Drücken Sie das Strickteil vorsichtig zwischen zwei Handtüchern aus. Niemals wringen. Legen Sie das Stück anschließend liegend auf einem trockenen Handtuch oder einem speziellen Trockennetz in Form. Nicht aufhängen, da nasse Wolle durch ihr Eigengewicht ausleiert. Nicht in den Trockner, nicht auf die Heizung und nicht in die direkte Sonne.
Pflegehäufigkeit. Dank der natürlichen Geruchshemmung müssen Merinopullover deutlich seltener gewaschen werden als Baumwoll- oder Synthetikstücke. Häufiges Auslüften nach dem Tragen reicht oft aus. Wird das Stück nur leicht gerochen oder nicht offensichtlich verschmutzt, hängen Sie es über Nacht ans offene Fenster.
Merino im Jahresverlauf: warum die Faser auch im Sommer trägt
Der häufigste Irrtum bei Merinowolle ist die Annahme, sie sei ausschließlich Wintermaterial. Tatsächlich funktioniert ein dünner Merinopullover auch in Frühjahr, Spätsommer und im Reisegepäck für klimatisierte Räume oder kühle Abende. Der Grund liegt in der Temperaturregulierung: Statt zu isolieren wie Daunen oder dicke Synthetikfleece, transportiert Merino Feuchtigkeit von der Haut weg und sorgt damit für ein angenehm trockenes Tragegefühl bei wechselnden Temperaturen.
Für die Sommersaison eignen sich besonders dünne Merinoqualitäten mit 150 bis 200 Gramm pro Quadratmeter. Sie sind als T-Shirts, leichte Pullover und Baselayer im Outdoor-Bereich verbreitet. Im Bekleidungssortiment finden Sie diese Klasse seltener; klassischer Strick liegt in der Regel bei 250 bis 350 Gramm. Wer Merino im Sommer in der Stadt trägt, greift zu kurzärmligen Modellen oder zu feinen Strick-T-Shirts.
Merino- und Strickmode bei Wellington of Bilmore
Wellington of Bilmore führt Merino-Pullover für Herren als eigenständigen Materialschwerpunkt im Strick-Sortiment, ergänzt um klassische Wollpullover für Herren aus Schurwolle und Woll-Kaschmir-Mäntel für die kühle Saison. Das Damen-Sortiment umfasst Strickpullover, Cardigans und Wollmischungen in klassischen Heritage-Schnitten.
Häufige Fragen zu Merinowolle
Was ist Merinowolle?+
Merinowolle ist die Schurwolle des Merinoschafs. Sie hat einen Faserdurchmesser zwischen 16 und 24 Mikrometern und ist damit deutlich feiner als klassische Schurwolle aus Crossbred-Rassen, die typischerweise zwischen 25 und 35 Mikrometer misst. Die feine Faser macht Merinowolle weich, hautfreundlich und sehr gut formbar. Sie wird vor allem in Australien, Neuseeland, Argentinien und Südafrika produziert.
Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Merinowolle?+
Schurwolle ist der Oberbegriff für Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren wird, unabhängig von der Rasse und der Faserfeinheit. Merinowolle ist eine besonders feine Form der Schurwolle, nämlich die des Merinoschafs, mit einem Faserdurchmesser von 16 bis 24 Mikrometern. Jede Merinowolle ist also Schurwolle, aber nicht jede Schurwolle ist Merino. Der Kennzeichnungsbegriff „Schurwolle“ oder das Wollsiegel sagen nur aus, dass es sich um Wolle vom lebenden Tier handelt, nicht wie fein sie ist. Erst der Zusatz Merino weist die feine, hautfreundliche Qualität aus.
Welche Eigenschaften hat Merinowolle?+
Merinowolle ist weich, temperaturregulierend, geruchshemmend, feuchtigkeitstransportierend und formbeständig. Die gekräuselten Fasern bilden Lufteinschlüsse, die im Winter wärmen und im Sommer durch Feuchtigkeitstransport kühlen. Das natürliche Lanolin hemmt geruchsbildende Bakterien, die Faser nimmt bis zu 30 Prozent ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf, ohne sich nass anzufühlen, und kehrt nach Dehnung wieder in die Ausgangsform zurück.
Kratzt Merinowolle?+
In der Regel nicht. Die feine Faserstruktur (16 bis 24 Mikrometer) verbiegt sich beim Hautkontakt, statt zu stechen. Empfindliche Haut spürt Merino meist als angenehm weich. Wer im Einzelfall doch ein leichtes Jucken empfindet, sollte zu einer feineren Qualität greifen (Superfine oder Extrafine Merino, bis 18,5 Mikrometer) oder das Stück zwischen Haut und Pullover mit einer dünnen Baumwoll- oder Seidenschicht tragen.
Ist Merinowolle wärmer als normale Wolle?+
Pro Gewichtseinheit ist Merinowolle ähnlich warm wie klassische Schurwolle, aber spürbar effizienter in der Temperaturregulierung. Sie wärmt im Winter ohne Überhitzungseffekt und transportiert Schweiß zuverlässig von der Haut weg. Kaschmir wärmt pro Gewicht noch besser, ist aber empfindlicher in der Pflege. Klassische Schurwolle wirkt häufig massiger und steifer, weil die Faser dicker und weniger gekräuselt ist.
Wie wäscht man Merinowolle?+
Im Wollwaschgang der Maschine bei höchstens 30 Grad mit mildem Wollwaschmittel und niedriger Schleuderdrehzahl (400 bis 600 Umdrehungen pro Minute). Das Strickteil auf links drehen und in einen Wäschesack geben. Alternativ per Handwäsche in lauwarmem Wasser mit Wollwaschmittel, behutsam bewegen und mehrfach klar nachspülen. Auf Weichspüler und Vollwaschmittel verzichten; beide schädigen die Faser. Anschließend zwischen zwei Handtüchern auspressen und liegend in Form trocknen lassen.
Merino oder Kaschmir, was ist besser?+
Beide Fasern haben unterschiedliche Stärken. Kaschmir ist feiner, wärmer pro Gewicht und besonders edel im Griff; er eignet sich für luxuriöse Pullover, Schals und Mäntel mit hoher Wärmeleistung. Merinowolle ist robuster, pflegeleichter, geruchshemmender und vielseitiger im Jahresverlauf. Für die Alltagsgarderobe ist Merino die praktischere Wahl, für den festlichen Auftritt oder ein besonderes Stück bleibt Kaschmir die hochwertigere Option.
Ist Merinowolle nachhaltig?+
Merinowolle ist eine erneuerbare und biologisch abbaubare Faser und damit grundsätzlich nachhaltiger als Polyester oder andere synthetische Fasern. Entscheidend für die Gesamtbilanz sind allerdings die Bedingungen der Tierhaltung. Achten Sie auf Zertifizierungen wie den Responsible Wool Standard (RWS), die das Verbot des umstrittenen Mulesing-Verfahrens und faire Haltungsbedingungen garantieren. Hochwertige europäische Marken weisen die Herkunft und die Zertifizierung ihrer Merinowolle in der Regel auf Material- oder Nachhaltigkeitsseiten aus.
Ist Merinowolle für den Sommer geeignet?+
Ja. Dünne Merinoqualitäten zwischen 150 und 200 Gramm pro Quadratmeter funktionieren auch in warmen Temperaturen, weil die Faser Feuchtigkeit von der Haut weg transportiert und damit ein trockenes Tragegefühl erzeugt. Im klassischen Bekleidungssortiment dominieren allerdings dickere Strickqualitäten (250 bis 350 Gramm), die eher für Herbst, Winter und kühle Frühjahrstage gedacht sind. Für den Hochsommer eignen sich speziell ausgewiesene Sommer-Merino-Stücke oder klassische Baumwoll- und Leinenstoffe.








